Zwanzig bundesweit tätige Bildungsstiftungen verbindet eine gemeinsame Überzeugung:
Diese Vision haben wir als Initiative BildungsgeRECHTigkeit erstmals einer breiten Fachöffentlichkeit vorgestellt – beim Fachtag „Bildungsgerechtigkeit von Anfang an“ am 15. Januar 2026 auf dem GLS Bildungscampus in Berlin. Vertreter:innen aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Praxis und Zivilgesellschaft kamen zusammen, um gemeinsam der Frage nachzugehen, wie Bildung in Deutschland gerechter gestaltet werden kann – von Beginn an.
Den Auftakt des Fachtages machte Michaela Wintrich, Unternehmerstiftung für Chancengerechtigkeit (in Elternzeit), mit einem Einblick in die Ziele der Initiative. Unser Ansatz für ein gerechteres Bildungssystem zeigt deutlich, was es jetzt braucht: ein verbindliches Zielbild für Bildung von 0 bis 18 Jahren, das Bildung und Soziales zusammendenkt, das Kind ins Zentrum stellt und durch datenbasierte, ressort- und ebenenübergreifende Steuerung getragen wird.
Diese Ideen diskutierten wird anschließend auf Panels mit Vertreter*innen aus Bund, Ländern, Kommunen, Wissenschaft und Praxis. Wir danken herzlich für die Keynote-Rede der Parlamentarischen Staatssekretärin Mareike Wulf und unseren Panelgästen Prof. Dr. Sabine Doff, Donya Golafshan und Anja Treichel sowie Susanne Blasberg-Bense, Dr. Martina Diedrich, Staatsrat Torsten Klieme und Dr. Stefan Luther.
In vier verschiedenen Workshops kamen die Teilnehmenden anschließend zur Frage der zentralen Hebel für mehr Bildungsgerechtigkeit zusammen – von der Ressourcensteuerung über datengestützte Förderung und föderales Miteinander bis zum Rechtsanspruch auf Bildung wurden Herausforderungen und Ansätze gemeinsam diskutiert. Herzlichen Dank an die Workshop-Leitungen Ministerialdirektor Daniel Hager-Mann, Ulf Matysiak, Dr. Dagmar Wolf, Dr. Roman Lehner, Matthias Graf von Kielmansegg, Rainer Schulz, Prof. Dr. Anne Sliwka und Dr. Markus Warnke.
Die zentrale Erkenntnis des Tages war klar und wurde von vielen Seiten getragen:
Wenn wir Bildung wirklich gerecht gestalten wollen, reichen punktuelle Reformen, Einzelprogramme oder zusätzliche Förderlinien nicht aus. Erforderlich ist ein grundlegender Paradigmenwechsel.
Nicht das Kind darf länger als „Anpassungsproblem“ eines komplexen Systems betrachtet werden. Vielmehr muss das Bildungssystem selbst konsequent vom Kind her gedacht, gestaltet und gesteuert werden – über alle Bildungsphasen hinweg und unabhängig von institutionellen Zuständigkeiten.
Die Diskussionen zeigten eindrücklich: Diese Perspektive wird nicht nur breit geteilt – sie wird für umsetzbar gehalten.
Bildungsgerechtigkeit entscheidet sich früh. In der frühen Kindheit werden die Grundlagen für Bildungsbiografien gelegt – und hier liegen zugleich große, bislang nicht ausgeschöpfte Potenziale. Frühkindliche Bildung, Übergänge zwischen den Bildungsstufen und die Verzahnung von Kita, Schule und außerschulischen Angeboten wurden als zentrale Hebel benannt.
Damit Bildungsgerechtigkeit früh greifen kann, haben sich auf dem Fachtag folgende systemische Gelingensbedingungen herausgebildet:
❗ Bildungsgerechtigkeit braucht klare, gemeinsame Zielbilder, die über Ressort- und Zuständigkeitsgrenzen hinweg Orientierung geben.
❗ Statt Silodenken sind Kooperation und Koordination gefragt – mit gebündelten Ressourcen und aufeinander abgestimmten Unterstützungssystemen entlang der gesamten Bildungskette.
❗ Verantwortung und Accountability müssen sich an den tatsächlichen Bedingungen vor Ort orientieren und mit Gestaltungsspielräumen verbunden sein.
❗ Kitas, Schulen und Kommunen benötigen mehr Autonomie, um passgenau handeln zu können – bei gleichzeitiger Ergebnisorientierung.
❗ Eine intelligente, verantwortungsvolle Nutzung von Daten ist Voraussetzung für bedarfsgerechte Förderung, wirksame Steuerung und transparente Entscheidungen.
Gerahmt wurde der Fachtag von der Ausstellung „UNLOCK THE FUTURE“. Jugendliche aus Bremen und Bremerhaven zeigen anhand beeindruckender Beispiele, wie Bildungsgerechtigkeit konkret aussehen kann – kreativ, selbstbewusst und wirksam. Ihre Beiträge unterstrichen, worum es im Kern geht: um reale Teilhabechancen, Anerkennung und Zukunftsperspektiven. Zugleich wurde deutlich, dass diese Potenziale nur dann zur Entfaltung kommen, wenn sich auch die Strukturen des Bildungssystems mutig weiterentwickeln.
Als Initiative BildungsgeRECHTigkeit verstehen wir den Fachtag als Auftakt und Auftrag zugleich.
Wir wollen Räume für Dialog öffnen, Akteure über Systemgrenzen hinweg verbinden und dazu beitragen, dass der kindzentrierte Blick konsequent in Strukturen, Zuständigkeiten und Entscheidungsprozesse übersetzt wird.
Bildung vom Kind her denken heißt, Verantwortung gemeinsam zu tragen, Ressourcen neu auszurichten und Bildung als zusammenhängende Aufgabe zu begreifen.
Konsequent, gemeinsam – und jetzt.
Fotos: © Mirko Bogedaly & Wider Sense TraFo